Jahresüberblick

Nicht um 7:30, sondern erst um 15:00 begann am 05.07.2012 die Verabschiedung unseres Kollegleiters Herrn Anthony Allport, der zahlreiche Gäste in die Aula des Niederrhein-Kollegs eingeladen hatte. Gekommen waren u.a. Frau Lenkaitis, die Dezernentin von der Bezirksregierung Düsseldorf, Frau Rönneper, die Vertreterin des Schulministeriums, langjährige Weggefährten aus dem Landes- und Bundesring der Weiterbildungskollegs, gegenwärtige und ehemalige Mitarbeiter wie auch die Studierendenvertretung des NRK. Bei Kaffee und Kuchen "geleiteten" die Anwesenden Herrn Allport mit Worten und Geschenken in den Ruhestand.

Betont wurde von allen Rednern Herr Allports langjähriger Einsatz für die Institutionen des Zweiten Bildungswegs, nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern im gesamten Bundesgebiet. Hierbei wurde insbesondere der Einsatz für den Fortbestand des BAföG hervorgehoben, welcher durchaus auch mal eine Aussage als Sachverständiger vor dem Bildungsausschuss des Bundestags erfordert habe: mit dem Ergebnis, dass der Fortbestand des für den Zweiten Bildungsweg existenziellen BAföGs zugesichert worden sei. Aber auch der typisch britische Humor, gepaart mit deutschem Pflichtbewusstsein und diplomatischem Geschick wurde hervorgehoben. Das langatmige Vertreten des eigenen Standpunktes bei der Suche nach wichtigen Kompromissen wurden als weitere grundlegende Eigenschaft genannt. Darüber hinaus hätten die sehr gute Vernetzung und die bildungspolitische Weitsicht dazu beigetragen, dass Herr Allport, der seit dem Jahre 2002 die Geschicke des Niederrhein-Kollegs leitet, oftmals erfolgreich im Sinne der Weiterbildungskollegs bzw. des NRK agieren konnte. Stellvertretend für das Land Düsseldorf bedankte sich die für die Weiterbildungskollegs zuständige Dezernentin Frau Lenkaitis bei Herrn Allport für dessen geleistete Arbeit und übergab ihm nach ihrer Rede die Entlassungsurkunde. Für den Einsatz im Landesring bzw. Bundesring der Kollegs sprachen in ihren Reden Herr Röhrich und Herr Krugmann wie auch Herr Dewey ihren Dank aus. Letzterer übergab als Geschenk ein aus vielen Einzelbildern zusammengesetztes Konterfei des zukünftigen Ruheständlers. Der Lehrerrat des NRK-Kollegiums wies zunächst darauf hin, dass Herr Allport sicherlich keinen Dank hören wolle... um dann letztlich in einer unterhaltsamen kleinen Schauspieleinlage an genau jene Neuerungen bzw. Änderungen der letzten 10 Jahre am Niederrhein-Kolleg zu erinnern. Für die Studierenden des Niederrhein-Kollegs dankte der Sprecher der Studierendenvertretung Herr Silbert, nicht ohne das stets offene Ohr Herrn Allports für die unterschiedlichen Anliegen einzelner Studierender hervorzuheben. Ehe dann der offizielle Teil der Feier endete, ließ der Kollegleiter in seiner Rede die in Deutschland, im deutschen Bildungssystem und im Umgang mit deutschen Journalisten gemachten Erfahrungen aus britischer – nein walisischer – Sicht Revue passieren. Am Schluss dankte Herr Allport allen Menschen, die ihn bei seiner Arbeit unterstützt haben… vor allem seiner Frau, die das alles erduldet habe. Welche Bedeutung für Herrn Allport das morgendliche Aufstehen hat, welcher Zusammenhang mit dem deutschen Handtuchparken im Urlaub besteht und was Frau Merkel eventuell für die Lösung der Eurokrise zu empfehlen wäre, lässt sich in der unten aufgeführten Rede noch einmal nachlesen.

 

 

 

 

Liebe Gäste!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Studierende!

Nur das Frühaufstehen fällt ihm schwer. So hieß es in einer Überschrift der Ludwigsburger Nachrichten im Sommer 1969.
Damit wurde meine Antwort auf die Frage des Reporters wiedergegeben, der mich nach den Schwierigkeiten fragte, die ich in Deutschland bisher erlebt hatte. (Ich war übrigens mit engli-schen Schülern unterwegs – bei einem Austausch mit einer deutschen Schule…. ) Und das alles war auf das Oberhausen-Kolleg zurückzuführen.
Oberhausen hatte ich kennengelernt im Jahr 1966, als mein Antrag auf die Zuweisung einer Stelle als Fremdsprachenassistent in Deutschland in Erfüllung ging. Von der geschichtsträchtigen, träumenden Kulisse der Universitätsstadt Cambridge mit den mittelalterlichen Gassen, den eleganten Collegevorhöfen und den kleinen Brücken wurde ich mitten ins Herz des Ruhrgebiets transportiert in eine Stadt, die noch vom Bergbau und Stahl geprägt war, in der sich jeden Abend eine feine Staubschicht auf Autos und Gelände legte: Das Wasser schmeckte nicht, die Luft war leicht aromatisiert.
Zu alledem kam dann auch noch die Zumutung, dass ich um 7:30 mit der Arbeit anfangen soll-te. 7:30 – eine Zeit, zu der alle zivilisierten Menschen – besonders eingeübte Studenten wie ich damals - noch im Bett liegen, sich kurz umdrehen und überlegen, ob sie vielleicht doch noch aufstehen sollten – oder wollten. Ich wollte auf jeden Fall nicht, habe mich aber schließlich überzeugen lassen, dass Oberhausener Zeit und Oberhausener Sitten (Unsitten?) bei einer Beschäftigung in einer Oberhausener Schule Vorrang haben mussten.
Nur das Frühaufstehen fällt ihm schwer. An alles andere beim deutschen Lebensstil konnte ich mich als Waliser gewöhnen - nur nicht an den auch heute immer noch üblichen Arbeitsbeginn um 7:30…
Jetzt wurde mir klar, warum in Großbritannien immer wieder behauptet wird, dass im Urlaub die Deutschen jeden Tag als erste die Liegen neben dem Hotelpool mit Handtüchern für sich reservieren. Wer so früh aufsteht,….
Diese Vermutungen sind inzwischen übrigens wissenschaftlich untermauert worden. Eine Studie an den Universitäten München und Oxford hat sich mit den Schlafgewohnheiten von 75.000 Deutschen und Briten befasst. (Als Alumnus der Universität Cambridge habe ich mich häufig gefragt, wonach sie in Oxford eigentlich forschen…) Das Ergebnis?
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen worden, meine Damen und Herren, - die ersten Ergebnisse wurden im letzten Monat veröffentlicht - dass im Durchschnitt meine Landsleute 7 Stunden und 21 Minuten schlafen, bevor sie um 8:50 Uhr mit der Arbeit anfangen, während die Deutschen acht Minuten weniger schlafen und 20 Minuten früher mit der Arbeit anfangen – also um 8:30! (Hört Ihr, Oberhausen? 8:30!) Wenn in England der Wecker losgeht, bleibt der Eng-länder erstmals 20 Minuten liegen. In Deutschland – mit typisch preußischer Selbstdisziplin – springt der Deutsche schon nach 15 Minuten aus dem Bett. (Ihr erkennt Euch bestimmt wieder…) Vielleicht haben wir hier die Erklärung nicht nur für das frühzeitige Belegen der Hotelliegen sondern auch für den im Ausland viel bewunderten Erfolg der deutschen Wirtschaft.
(Bei dieser Studie zeichnet sich übrigens ein Trend ab: Unter den Europäern schlafen die Deut-chen am wenigsten, während die europäischen Mittelmeeranrainerstaaten, die Deutschland in der Eurozone finanziell unterstützen soll, am meisten schlafen. (Ich wundere mich, dass Frau Merkel nicht schon längst weniger Schlaf als Lösung des Euro-Problems vorgeschlagen hat…)
Ich beschreibe diese Erlebnisse aus meinen ersten Oberhausener Tagen, um die Beständigkeit meiner intimen Beziehung zu diesem Institut zu unterstreichen, denn dieses Verhältnis begleitet mich so oder so seit über 40 Jahren. Die Dauer und Tiefe dieser langjährigen Beziehung wer-den schließlich auch durch meine Treue zu diesem Prinzip des Frühaufstehens in zwei Jahrhunderten dokumentiert.
Eine wahrhaftig preußische Eigenschaft…
Und so hat mich auch ein ehemaliger, von mir geschätzter Oberhausener Kollege, Norbert Wehr, der sich bereits im Ruhestand sonnt, beschreiben wollen. Als preußischen Amtsvorsteher hat er mich (hoffentlich) scherzhaft gekennzeichnet.
Treue, Pflichtbewusstsein, Disziplin,… und das als Waliser!?
Die Übertragung der Leitung des Niederrhein-Kollegs auf mich war mir in der Tat eine Ehre, die ich zu schätzen wusste, und der ich mich hoffentlich als würdig erwiesen habe, denn ich kannte meine Vorgänger wie auch die besten Traditionen dieses Hauses. Das Oberhausen-Kolleg ist und war für mich das A und das O gewesen: die Schule, in der ich als Brite meine ersten und jetzt auch meine letzten Unterrichtserfahrungen gemacht habe. Der Kreis ist vollzogen…
Die Trennung wird mir deswegen umso schwerer fallen. Nicht zuletzt habe ich sie hinausge-choben, damit mir nicht nachgesagt werden könnte, dass ich den Ruhestand angetreten habe, lange bevor ich aufgehört habe zu arbeiten. Ruhestand? Böse Zungen behaupten, es gebe zwei gute Gründe, Lehrer zu werden: Juli und August. Auf dieser Basis ist allerdings das Argument für den endgültigen Eintritt in den Ruhestand überwältigend...
Die freundlichen Worte, die ich heute vernommen habe, schmeicheln mir. .. Über Tote – heißt es in dem lateinischen Sprichwort - soll man nur Gutes reden. Abschiedsfeiern sind aber keine Begräbnisse, und Ruheständler keine Toten, wie man sieht, wenn man die quicklebendigen Exemplare heute hier sieht.
Ich habe es schon mal gesagt. Abschiedsfeiern haben es in sich. Es gibt welche, zu denen man hinkommt, in der eitlen Hoffnung, dass es vielleicht doch nicht stimmt. Es gibt welche, zu denen man hinfährt, weil es eigentlich erwartet wird. Und es gibt welche, zu denen man gern hinfährt, um sicher zu sein, dass der Zu verabschiedende wirklich geht. (Schließlich soll sein Abschied gefeiert werden!)
Ich wage nicht zu beurteilen, aus welchem Grund Sie heute so zahlreich erschienen sind, aber ich freue mich, dass Sie alle meiner Einladung gefolgt sind, nicht zuletzt weil Sie nicht aus einem institutionellen Pflichtgefühl eingeladen worden sind. Ich bin Ihnen allen verbunden – oder vielmehr verpflichtet -, weil ich ohne Sie den Weg hierhin nicht gefunden hätte. Sie sind für mich die Wegbegleiter und Wegweiser gewesen.
Ich danke deswegen meinen Kolleginnen und Kollegen, die mir an diesem Institut gezeigt haben, was guter Unterricht ist und auch sein kann (darunter auch den jungen Kolleginnen und Kollegen der letzten Jahre) wie auch meinen Mitarbeiterinnen im Sekretariat und in der Verwaltung – past and present - und auch den heimlichen Chefs dieses Hauses, den Hausmeistern. Ohne deren Hilfe würde sich mein persönlicher (sehr unpreußischer) Drang nach Chaos wahrscheinlich im Alltag längst durchgesetzt haben.
Ich danke den Kollegen am Seminar wie auch an anderen Schulen (nicht nur) in Oberhausen, die mir ihre Hilfe bereitwillig angeboten haben.
Ich danke denen, die mir gezeigt haben, dass es sich immer lohnt, sich für die Studierenden und die Einrichtungen des Zweiten Bildungswegs hier in Nordrhein-Westfalen wie auch in den anderen Ländern der Bundesrepublik zu engagieren. Ich danke aber auch denen, die uns auf diesem Weg mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben… - past and present - in der Politik, bei der Schulaufsicht, an der Hochschule.
Ich danke ganz besonders denen, mit denen mich auch eine enge Freundschaft verbindet, mit denen ich in den vielen Jahren in den Vorständen des Bundes- und des Landesrings zusammenarbeiten durfte.
Ich danke meiner Frau, die das alles erduldet hat…
Es ist üblich geworden, bei Reden dieser Art, am Ende den Anwesenden ein kluges Wort mit auf den Weg zu geben. Unter so vielen Experten und Praktikern will ich mir dieses - nicht einmal als angehender Ruheständler, bei dem es sich nicht mehr so leicht rächen kann - nicht anmaßen.
Ich möchte nur an eins erinnern, was wir alle wissen und nie vergessen dürfen: Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen nach wie vor unsere Studierenden.
Ihnen dienen wir, ihnen wollen wir vor allem helfen, sie sind der Grund und schließlich das Ziel unserer Arbeit.
Deswegen richte ich meinen letzten herzlichen Dank – bevor ich mich zur Ruhe (hin)setze - auch an die Hauptpersonen - die Studierenden, denn - ohne Sie wäre das alles umsonst gewesen.

Nur das Frühaufstehen fällt ihm schwer… Das ist nicht mehr die ganze Wahrheit: Zwar darf ich von jetzt an später aufstehen: Ich muss aber schweren Herzens gestehen, dass das Abschiednehmen ihm auch nicht so leicht fällt.